Bis dass der Tod sie scheidet!
Premiere auf der Naturbühne in Gräfinthal: Das Kriminalstück "Heiraten ist immer ein Risiko" läuft wieder
- Von CARSTEN WILHELM -
Gräfinthal. Zwei Fragen beschäftigten am Freitagabend die Zuschauer auf der Gräfinthaler Naturbühne: Einmal, ob das Wetter in diesem Jahr bei der Premiere halten würde, und zum Zweiten, welche Darsteller am Ende des Stückes noch am Leben sein würden. Die erste Frage war schnell beantwortet: Petrus hielt die Schleusen dicht. Einen Abbruch der Aufführung wie im Vorjahr gab es also nicht. Die Lösung des Kriminalfalls blieb allerdings gut zwei Stunden offen. So lange harrten die Zuschauer gespannt der Dinge, die auf der Bühne passierten. Und wurden nach und nach in den Bann der Kriminalgroteske "Heiraten ist immer ein Risiko" aus der Feder von Saul O'Hara gezogen. Nur halb so spannend wäre das Stück jedoch gewesen, wenn die Helfer des Bliesmenger Kulturvereins nicht wieder einmal die Bühne umgebaut hätten. Weg waren der Wolfgangsee vom "Weißen Rössl" und auch der Bienenstock der kleinen "Biene Maja" - englisches Park-Ambiente war angesagt.
Inspektor Campell, gespielt von Ralf Dellmuth, konnte sich da als Inspektor mit Pfeife im Mundwinkel, Zeitung unter dem Arm und Mütze auf dem Kopf richtig wohlfühlen. Doch etwas wurmte den Inspektor dann doch: Kurz vor der Pensionierung stehend hat Campell das Ziel, zwei Mörder hinter Schloss und Riegel zu bringen. Eine harte Nuss, die er knacken will. Mit etwas List und Tücke schafft er es aber, die Ereignisse so anzukurbeln, dass sein Plan am Ende aufgehen kann. Da ist einmal der charismatische Oberst John Brocklesby (Uwe Heinen), für den sechs Mal verheiratet zu sein eher eine Strafe als ein Verbrechen ist, und zum anderen Lydia Barbent (Susanne Valentinti), die in ihrem Leben auch schon sechs Männer durch den Tod verloren hat. Von Anfang an besteht kein Zweifel daran, dass beide ihre Ehepartner aus dem Weg geräumt haben, um zu erben. Wie soll der Inspektor aber die beiden Mörder überführen? Ganz einfach, er macht sie bekannt und bahnt dadurch die nächste Eheschließung an. Bis dahin ist es aber ein langer Weg, denn erst einmal halten Brocklesby und Barbent überhaupt nichts voneinander. Sie sieht in ihm einen "elementaren Trottel", er glaubt, dass sie "dämlicher als alle anderen" ist.
Was nach der Eheschließung folgt, ist an Spannung und Witz nur schwer zu übertreffen. Nichts lassen die Eheleute Brocklesby aus, um den anderen zu töten. Es fallen Kronleuchter von der Decke, man löffelt verlegen in einer Suppe mit vergifteten Pilzen und sägt die Sprossen einer Leiter an. Die wird beinahe dem Butler Perkins, grandios gespielt von Thomas Kohl, zum Verhängnis. Denn der dient den Herrschaften trotz aller Anschläge treu ergeben und riskiert so sein eigenes Leben. Nicht ganz ungefährlich leben allerdings auch Honoria Dodd (Maria Lagaly), die ein Mädchenpensionat betreibt, der Privatlehrer Lance Fletcher (Markus Sommer) und die beiden "Gören" Jennifer und Poll (Sara Valentini und Claudia Zapp). Sie sind nämlich auf die finanzielle Unterstützung durch Lydia Brocklesby angewiesen und befinden sich deshalb hin und wieder in der Schusslinie. Am Ende allerdings greift ein anderer ins Geschehen ein. Perkins, der Butler, lauscht als Tiger verkleidet auf der Terrasse und erfährt so die Wahrheit über die Eheleute Brocklesby, die sich plötzlich scheiden lassen wollen, weil man irgendwie doch Gefühle für den anderen hat. "An diesem denkwürdigen Abend entsteigt ein Mensch einem Tiger", bringt Perkins unter dem Gelächter des Publikums hervor, ohne dabei die Miene zu verziehen, und nimmt die Sache in die Hand. Kurzum: Von nun an geht es für das Ehepaar steil bergab. Sie stürzt von der Treppe und stirbt, er bekommt einen Stromschlag, Inspektor Campell geht in den Ruhestand.
Ein lasches Ende? Keineswegs, denn beim inszenierten Stromschlag bekamen viele Zuschauer eine Gänsehaut. Statt eines Blitzes, der im Vorjahr das Ende des Stückes besiegelte, flackerten diesmal die Beleuchtungslampen an der Bühne: Das in der Tat schaurige Ende einer schaurig-schönen Freiluftbühnen-Krimi-Vorstellung.