Biene Maja flog mit Verspätung ein
Am Samstagnachmittag begann nach langen Vorbereitungen die Freilichttheater-Saison 2002
- Von CARSTEN WILHELM -
Gräfinthal. Dass Geduld sich auszahlen kann, merkten am Samstag Akteure, Helfer und auch Zuschauer auf der Gräfinthaler Naturbühne. Hatte der Wetterbericht das feuchte Nass von oben eigentlich für den Vormittag angekündigt, hielten die Wolken in der ersten Tageshälfte dicht. Dies jedoch zum Leidwesen der Verantwortlichen des Kulturvereins Bliesmengen-Bolchen. Denn eine Stunde vor Beginn der Premiere öffnete Petrus letztlich doch die Schleusen. Und so wurden die letzten Arbeiten vorm ersten Flug der Biene Maja von Hektik und bangen Blicken zum Himmel begleitet. Als es dann um 16 Uhr losgehen sollte, kübelte es wie aus Eimern. Nun war Geduld gefragt. Bei den Darstellern, die hinter der Bühne fertig geschminkt und kostümiert der Premiere des Kinderstückes entgegenfieberten und bei den Zuschauern, die sich entweder unter das Vordach der Bühnengaststätte geflüchtet hatten oder sich unter ihre Schirme kauerten. Doch nach zehn Minuten kam die erlösende Nachricht. "Es wird gespielt", beschloss der Vorsitzende des Kulturvereins, Wilken Schütz, in Absprache mit anderen Verantwortlichen. Zur Freude der Zuschauer, die im Regen ausharrten und sich auf den ersten Auftritt der wohl bekanntesten Biene der Welt freuten. Gerade für die kleinsten Zuschauer gab es nach der Premiere viel Lob. Ohne zu murren oder zu quengeln, nahmen die vielen Kinder, die zum Teil in Gruppen zur Naturbühne in Gräfinthal gekommen waren, die Verzögerung gelassen hin. Alle freuten sie sich auf einen tollen Tag, der es trotz Regen auch sicher noch werden würde. Da war sich auch der Leiter der "SZ"-Lokalredaktion, Manfred Krause, sicher. Die vielen Besucher kämen Jahr für Jahr, weil der Besuch auf der wunderbaren Naturanlage für jeden immer ein Erlebnis sei. "Ich wünsche der ganzen Truppe des Kulturvereins eine tolle Saison", gab Manfred Krause praktisch den Startschuss für die in diesem Jahr insgesamt 29 Aufführungen.
Mit den ersten Klängen des Liedes "Biene Maja", natürlich gesungen von Karel Gott, kamen dann auch die ersten Sonnenstrahlen zum Vorschein. Und tatsächlich, während der gesamten Vorstellung kam nicht ein weiterer Tropfen vom Himmel. Dafür stand plötzlich Flip, der Grashüpfer, gespielt von Peter Bachmann, auf der Bühne. Der grasgrüne Flip führte inmitten einer prächtig dekorierten Blumenwiese kurz in die Handlung ein. Hätte er aber vielleicht gar nicht gebraucht, denn auch die Kleinsten scheinen die Geschichte der kecken Biene und ihrer Freunde nahezu auswendig zu kennen. So wurde der müde Willi, übrigens hervorragend gespielt von Martin Birster, lautstark von den Kindern begrüßt. Jammernd, klagend und einfach immer schläfrig, waren die Auftritte von Willi während der gesamten Vorstellung absolute Höhepunkte. In nichts nach stand ihm allerdings seine Freundin, die Biene Maja. Melanie Wieczorek spielte die Hauptrolle wie auch schon in den Vorjahren souverän. Der gemeinsamen Abenteuerreise durch die Welt der Blumen, Insekten und Kleintiere stand also nichts mehr im Wege. Daran konnten auch die Bienenlehrerin (Heidi Schütz) und die Bienenkönigin, erhaben gespielt von Susanne Birster, nichts ändern.
Die Erlebnisse auf der Reise der beiden kleinen Bienen waren für die Kinder übrigens äußerst spannend. So wurden Maja und Willi von den Kleinen lautstark gewarnt, wenn wieder einmal die Spinne Thekla (Ina Sommer), die Ameisen oder die bösen Hornissen im Anmarsch waren. Wenn Gefahr drohte, hatten Maja und Willi aber immer gute Freunde zur Seite, die zu ihnen standen und ihnen halfen. Egal ob Peppi, der Rosenkäfer, gespielt von Klaus Nagel, oder Kurt, der Mistkäfer (Alexandra Grandjean) - neben all den schönen Erlebnissen lernten die Bienchen eben auch viele echte Freunde kennen. Am Ende halfen sogar die Spinne und die Ameisen mit, die Hornissen zu vertreiben.
Neben dem Spaß vermittelte man den Zuschauern und insbesondere den Kindern aber auch eine Botschaft: Am Ende nämlich erzählt die Bienenkönigin der kleinen Maja, dass sie die ganze Zeit von Menschen beobachtet wurde, ohne es zu merken. Diese Menschen hätten ihr gar in der Gefahr geholfen, weil sie immer und immer wieder gerufen und gewarnt hätten. Und an die Zuschauer richtete die Königin den Appell, sorgsam mit der Natur umzugehen. Ein schönes Ende einer tollen Premiere, die auch bei Spielleiter Edgar Bachmann für Zufriedenheit sorgte. "Ich bin sehr zufrieden; die Texte wurden flüssig vorgetragen, und auch das Bühnenbild war sehr gut", so Bachmann. Zufrieden waren aber auch die 544 Besucher, die sich mit lange anhaltendem Applaus bedankten. Viele Tausend werden sicher noch kommen, wenn es wieder heißt: "In einem unbekannten Land "