Naturbühne Gräfinthal
„Ewig rauschen die Gelder“
Mit der Komödie „Cash – Und ewig rauschen die Gelder“ war am Samstagabend auf der Naturbühne Gräfinthal Premiere für die neue Theatersaison. Und trotz kühler Witterung haben sich die Zuschauer prächtig amüsiert.
Gräfinthal. Kalt war es am Samstagabend auf der Naturbühne Gräfinthal, richtig kalt. Drum mussten die dick eingepackten Zuschauer irgendetwas tun, um warm zu bekommen. Und was gäbe es da bei einer Theatervorführung Besseres als zu klatschen? Beinahe nichts, dachten sich wohl auch die rund 200 Zuschauer, die immer wieder auf offener Szene applaudierten. Objektiv beurteilt lag das letzten Endes aber wohl doch nicht an den kühlen Temperaturen, sondern an der starken Leistung des zehnköpfigen Erwachsenentheater-Ensembles.Ganz schön verwirrend „Cash – Und ewig rauschen die Gelder“, ein noch recht junges Werk des englischen Komödien-Autors Michael Cooney, feierte am Samstag auf der Naturbühne in Gräfinthal Premiere. Es galt also, an den Erfolg des im Vorjahr so erfolgreichen Stücks „Pension Schöller“ anzuknüpfen. Das, so viel darf schon jetzt gesagt werden, ist den Freilichttheaterspielern des Kulturvereins Bliesmengen-Bolchen gelungen. Wenn auch die Zuschauer in diesem Sommer beim Erwachsenentheater gut aufpassen müssen, um nicht den Faden zu verlieren. Denn das Treiben der Schauspieler auf der Bühne ist manchmal doch verwirrend, allerdings nie undurchschaubar.
Gefragt ist also ein wenig Konzentration, für die das Publikum im Gegenzug mit toller Situationskomik und humorvollen Dialogen entschädigt wird. Hauptverantwortlich dafür: Eric Swan (Uwe Heinen), ein seit zwei Jahren gekündigter Stadtwerke-Mitarbeiter, der seiner Frau Linda (Christa Heinen, auch im richtigen Leben Ehefrau von Uwe Heinen) bisher nicht erzählt hat, dass er seinen Job längst verloren hat. Die allen Arbeitslosen drohende Geldknappheit umgeht Eric Swan dadurch, dass er weiterhin den für seine nach Kanada ausgewanderten Untermieter bestimmten Scheck des Sozialamtes entgegennimmt und auch einlöst.
Eine Schummelei, die den umtriebigen Eric auf den Geschmack bringt. Er erfindet zahlreiche Untermieter mitsamt Familien und kassiert dafür vom Sozialstaat ab, wo es nur geht. 25000 britische Pfund im Jahr erschleicht er sich so – steuerfrei natürlich. Doch als eines Morgens Mister Jenkins (Dirk Kaub), ein Außenprüfer des Sozialamts vor der Tür steht, droht der ganze Schwindel aufzufliegen. Swan gibt, um seine Identität zu verschleiern, einen falschen Namen an und zieht seinen tatsächlichen Untermieter Norman Bassett (Thomas Kohl) in die ganze Sache mit hinein.
Der spielt das zweieinhalbstündige Stück über eine beinahe tragische Rolle. Wird einmal für tot erklärt, im nächsten Moment ist er taub und am Ende muss er sogar noch in Frauenkleider schlüpfen. Und das alles, um seinem Vermieter Eric Swan die Haut zu retten. Das will auch Onkel George (Klaus Rauls). Auf Flohmärkten versucht der eingeweihte Onkel, die von den Sozialbehörden verordneten Korsetts, Stützstrümpfe, Spezial-Büstenhalter und Bruchgürtel zu verhökern. Als eines Tages Erics Ehefrau einige der Utensilien bei ihm findet, glaubt sie an perverse Neigungen ihres Mannes. Ein Fachmann der Familienberatung, Doktor Chapmann (Ralf Dellmuth), taucht auf und soll mit Eric über seine Neigung sprechen. Allerdings gerät er nicht an Eric, sondern an dessen Onkel, der sich als Eric ausgibt.
Die Verwechslungsgeschichten ziehen immer weitere Kreise und am Ende glaubt der Doktor sogar, dass Eric eine homosexuelle Beziehung mit seinem Onkel George hat. Inmitten des Chaos versuchen die von der Gemeindeschwester geschickte Sally Chessington (Susanne Valentini) und der Bestattungs-Unternehmer Mister Forbright (Markus Sommer) die Hinterbliebenen im Haus der Swans zu betreuen. Denn Eric hatte inzwischen vorgeschwindelt, dass seine Eltern, Normans Eltern und sogar Norman selbst gestorben seien. Da passt es natürlich überhaupt nicht, als plötzlich Normans Verlobte Brenda Dixon (Kathrin Wannemacher) vor der Tür steht und ihren Anvertrauten sehen möchte.
Ende gut, alles gut
Eric Swan jedenfalls muss nicht ins Gefängnis, bekommt vielmehr sogar eine Stelle als gewiefter Außenprüfer und – ebenso wie seine Kollegen – vom durchweg überzeugten Publikum lange anhaltenden Schluss-Applaus.