Premiere in Gräfinthal

In die Herzen gehext

Premiere auf der Naturbühne Gräfinthal: Mit dem Stück „Die kleine Hexe“ ließen die Mandelbachtaler Laienschauspieler im idyllischen Weiler Gräfinthal die rund 300 Zuschauer das kühle Wetter vergessen.

Gräfinthal. Eingepackt in Regenjacken und die Köpfe unter Schirmen, so saßen die Besucher am vergangenen Samstagnachmittag auf den Rängen der Naturbühne Gräfinthal und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Und das war erst einmal jede Menge Regen. Kein blaues Fleckchen zeigte sich am Himmel über dem Mandelbachtal. Dafür regnete es wie aus Kübeln. Denjenigen, die gekommen waren, schien das allerdings nichts auszumachen.

„Nur wenige Besucher sind wegen des Wetters wieder nach Hause gefahren“, sagte Wilken Schütz, Vorsitzer des Kulturvereins Bliesmengen-Bolchen. Die rund 300 Zuschauer wurden für ihr Bleiben reichlich belohnt. Pünktlich um 16 Uhr begann die Premiere des Kinderstücks „Die kleine Hexe“. Und es schien, als habe die schon hinter der Bühne eifrig gehext. Keine zwanzig Minuten später zeigte sich die Sonne am Himmel, und bis zum Ende der Vorstellung fiel nicht ein einziger Regentropfen mehr. Furios der Auftakt der Vorstellung: An einem Seil befestigt, flog eine von Funken und Rauch umwehte Hexenpuppe quer über die Bühne. Schon da staunten nicht nur die Kinder mit offenen Mündern. Und es sollte noch toller kommen.

Doch erst einmal musste die kleine Hexe – klasse gespielt von Claudia Zapp – die Schmähungen der Alten über sich ergehen lassen. Nur der Rabe Abraxas (Melanie Wieczorek) unterstützt sie bei ihrem Ziel, eine gute Hexe zu werden. Umso fleißiger wälzt die kleine Hexe das große Hexenbuch, um sich auf die Prüfung vorzubereiten, die es ihr ermöglichen würde, am Hexentanz auf dem Blocksberg teilzunehmen.

Der Weg dorthin ist allerdings mit vielen Abenteuern gepflastert. Beispielsweise beim Markttreiben im Dorf: Mit einem neuen Besen ausgestattet und dem gelesenen Hexenbuch im Kopf, hilft die kleine Hexe dort einem bettelarmen Mädchen (Nadine Nothoff). Aus Papierblumen hext sie schöne, duftende Blumen, die das Mädchen für viel Geld verkauft. Übrigens alles heimlich beobachtet von der Wetterhexe Muhme Rumpumpel (Marion Schmipf), die die Taten der kleinen Hexe allesamt fotografiert.

Doch nicht nur dem Blumenmädchen hilft die kleine Hexe, auch die Holzweiber im Wald können auf sie zählen. Weil der den Frauen das Holz sammeln verbietet, verhext die kleine Hexe kurzerhand den Förster (Markus Fillgraff). Was er auch schimpfen mag, es kommt immer nur das Gegenteil aus seinem Mund.

Tolle Einlage: Nach einem Hexenspruch ließen die Helfer der Naturbühne sogar Laub und Reißig aus den Bäumen regnen. Kritik an ihren Künsten lässt die kleine Hexe dabei nicht zu. „Ich helfe den Guten, indem ich den Bösen Schlechtes zufüge“, sagt die kleine Hexe. Das macht sie auch, als an Erntedank ein großes Schützenfest auf der Bühne stattfindet. Weil die Vroni und der Thomas (Jennifer und Tobias Heinen) ihren Ochsen Korbinian nicht für das Preisschießen hergeben möchten, hilft die kleine Hexe etwas nach. Die gesamte – natürlich verhexte – Schützenkompanie mit ihrem Hauptmann (Norbert Zapp) schießt glatt an der Zielscheibe vorbei. Nur der kleine Thomas trifft und darf seinen Ochsen behalten.

Spätestens zu dem Zeitpunkt hatte sich die kleine Hexe in die Herzen der jungen Zuschauer gespielt. Gespannt verfolgten die das Treiben auf der Bühne, die wieder einmal von unzähligen Statisten und Requisiten bevölkert wurde. Mit dabei auch viele Kinder, etwa beim Kindertanz an Fastnacht. Weil die in prächtigen Kostümen verkleideten Kinder die kleine Hexe auslachten, hext die ihnen erst einen echten Bonbon- und dann einen Seifenblasenregen aus einer an einem Seil über die Bühne gefahrenen Wolke. Szenenapplaus auf der Naturbühne Gräfinthal!

Nach so vielen Abenteuern wird es dann langsam Zeit für die Prüfung vor der Oberhexe (Alexandra Grandjean). Die thront vor einer Feuerwand, umgeben von Rauch und Nebel, und lässt sich die Künste der kleinen Hexe vorführen. Beachtlich: Als die kleine Hexe Regen und Nebel herbeihext, lassen die Bühnentechniker diese wirklich heranwehen. Und auch das Entfachen des Hexenfeuers durch einen Kugelblitz, die schwerste Prüfung im ganzen Hexenbuch, gelingt der kleinen Hexe mittels pyrotechnischer Effekte. Die Erlaubnis, beim Hexentanz in der Walpurgisnacht mitmachen zu dürfen, bekommt die kleine Hexe aber nicht, weil die alte Muhme Rumpumpel den anderen Hexen die Fotos von den vielen guten Taten zeigt. Die alten Hexen sind außer sich, werden jedoch von der kleinen Hexe so verhext, dass sie ihre Besen und Bücher an süße Kobolde verlieren. Am Ende gibt es nur noch die kleine, gute Hexe auf der Naturbühnenwelt.

Der Schluss einer kurzweiligen, spannenden und sicher das Publikum in diesem Sommer begeisternden Kindervorstellung. „Nur wenige Besucher sind wegen des Wetters wieder nach Hause gefahren.“ , so Wilken Schütz vom Kulturverein. cwi