Und die Tauben flogen wirklich

Aschenputtel-Premiere in Gräfinthal: Eine bezaubernde Hauptdarstellerin und eine Klasse-Leistung des ganzen Ensembles

- Von CARSTEN WILHELM -

Bliesmegen-Bolchen. Strahlender Sonnenschein und natürlich die Vorfreude auf Freilichttheater vom Feinsten lockten mehr als 700 Zuschauer zur ersten Aufführung des Märchens der Gebrüder Grimm. "Es ist schön, dass nicht nur die Simpsons oder der Gameboy Kinder begeistern können, sondern auch noch Märchen der Gebrüder Grimm", begrüßte der Leiter der St. Ingberter "SZ"-Lokalredaktion, Manfred Krause, die aus dem ganzen Saarland und angrenzenden Regionen angereisten Besucher. Man habe stets den Eindruck, als sei das ganze Dorf bei den Aufführungen mit von der Partie. Und in gewissem Sinne stimmt das auch, denn bei jeder Aufführung kann der Kulturverein Bliesmengen-Bolchen auf die ehrenamtliche Mithilfe vieler setzen.

So wiesen auch am Samstag Feuerwehrleute Parkplätze zu, standen DRK-Helfer für den Notfall parat und verkauften Leute aus dem Ort Getränke oder Eis. Nicht zu vergessen die vielen Statisten, die ohne viel Aufsehens der idyllisch gelegenen Freilichtbühne erst ihren Charakter verleihen. Mehr als 40 Akteure in prächtigen Kostümen, darunter viele Jugendliche und Kinder, waren am Samstag bei der Premiere mit von der Partie.

Eine trotz ihres jungen Alters schon bewährte Darstellerin, Melanie Wieczorek, spielte dabei wieder einmal eine Hauptrolle. Als Elfi, der von allen nur Aschenputtel genannten Tochter des Vaters Hubert (Norbert Zapp), lebt sie mit der bösen Stiefmutter Ulrike (Maria Lagaly) sowie den Stiefschwestern Suse (Sarah Klingler) und Sabine (Ina Sommer) in einem Haus. Seit dem Tod der Mutter und der Heirat ihres unter der Fuchtel der neuen Frau stehenden Vaters ist Aschenputtel oft traurig. Sie schläft in einer kleinen Kammer, muss alle Hausarbeiten verrichten und wird ständig schikaniert. Immer dann, wenn sie traurig ist, geht sie ans Grab der Mutter und weint. Eines Tages begegnet ihr dort der goldene Vogel (Michaela Jost), der ihr durch eine goldene Feder von nun an Hilfe verspricht. Und auch das junge Reh Bambi, gespielt von Caroline Daut, sowie der alte Hase Bambus alias Marion Schimpf gehören ebenso wie die Waldtiere zu den Freunden Aschenputtels. Zur gleichen Zeit bereitet der Prinz (Klaus Nagel) auf dem Schloss mit Hofmeister Zickenbart (Markus Fillgraff) und dem glänzend gespielten Tanzmeister Spitzbein (Peter Bachmann) einen Ball vor. Mit vereinter Hilfe ihre Freunde aus dem Wald schafft es auch Aschenputtel in einem herrlichen Kleid zum Ball, wo sie das Herz des Prinzen im Nu erobert und ihre ahnungslosen Stiefschwestern alt aussehen lässt. Kurz vor Mitternacht verliert Aschenputtel ihren Schuh auf der Schlosstreppe. Bei der Suche nach dem zarten Fuß, der in den Schuh passt, findet der Prinz schließlich das schmutzige junge Mädchen zu Hause hinterm Kamin. Er nimmt Aschenputtel mit in sein Schloss, während die böse Stiefmutter sich grämt. Eingebettet in die bekannte Handlung haben die Verantwortlichen der Naturbühne dabei einige Spezialeffekte und Besonderheiten eingebaut. So kommt der goldene Vogel mit Rauch und sprühenden Funken aus dem Gebüsch geflogen, während, nachdem die imaginären Tauben Aschenputtel die Erbsen und Linsen aus der Asche gepickt haben, plötzlich echte Tauben aus dem Dach des Hauses über dem begeisterten Publikum davonfliegen. Traumhaft auch die Kutsche, in der Aschenputtel zum Ball gefahren wird und die von prächtig-bunten Schmetterlingen gezogen wird.

Für all das gab es am Ende lange anhaltenden Applaus und zufriedene Gesichter allerorten. Auch bei den Akteuren, die angespannt die Premiere erwartet hatten. Deshalb war nach der gelungenen Premiere auch die Erleichterung an den Gesichtern abzulesen. "Wir sind sehr zufrieden, dass wir so erfolgreich wie in den Vorjahren in die Spielzeit gestartet sind", brachte es Spielleiter Edgar Bachmann auf den Punkt. Eine Spielzeit, die sicher ebenso schön und märchenhaft werden wird wie die im Vorjahr.